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Avinash Kaushik - Web Analytics - An hour a day (2007)

Web Analytics - An hour a day (2007) - Avinash Kaushik
  • Avinash Kaushik ist der bekannteste Web Analyst der Welt. Sein Blog "occam's razor" hat er in zwei Bücher zu Papier gebracht.
  • Avinash Kaushik bringt das Thema Web Analytics verständlich und lebhaft auf den Punkt. Er hat die Sicht die Besucher der Website und die Website selbst genau zu verstehen, um zielgerichtet zu analysieren und Informationen in entscheidungsrelevante Handlungen umzusetzen.

Kapitel 1 – Web Analytics – Gegenwart und Zukunft

Im Jahre 1995 war Analog das erste Web Analyse Programm. Frühere Analyseprogramme waren technisch darauf ausgelegt, den Web-Traffic über Logfiles vom Server zu messen. Gab es z.B. einen Serverausfall, dann konnte das Web Analytics System das zeigen. Die Analyse Tools waren aber nicht darauf ausgelegt das Besucherverhalten dahingehend zu untersuchen, das businessrelevante Fragen beantwortet werden können. Um 2000 waren Webtrends, WebSidestory und Coremetrics die bekanntesten WebAnalytics Tools. Heutzutage werden nicht mehr Logfiles gemessen. In die Webseiten werden kleine Codes (Zählpixel) eingebunden. Web Analytics Systeme lesen diese aus, sobald ein Besucher die Seite betritt.

2006 kam es dann zum Umbruch. Google kaufte ein Jahr zuvor den Web Analytics Anbieter "Urchin" auf und bietet seitdem Google Analytics kostenlos an, was die großen Anbieter zu höherem Wettbewerb und Innovationen zwang. Innovationen sind beispielsweise die Daten für beliebige Teilgruppen auszuwerten (Stichwort: Segmentierung). Oder die Visualisierung von Clickpositionen durch Heatmaps und Browseroverlays. Oder Methoden, um die Wirksamkeit von Marketingaktivitäten zu messen. A/B-und Multivariate Testmethoden, um durch Experimentieren an den echten Besuchern herauszufinden, welche Kombinationen von Bild und Text am meisten wirken.

Web Analytics Systeme werden in Unternehmen noch nicht richtig eingesetzt. Die Implementierung ist noch recht einfach: Script-Code rein, 1 Tag warten, massig Daten da. Es gibt unheimlich viele Reportmöglichkeiten, die auch genutzt werden und so passiert es schnell, das Beteiligte durch Datenmassen erschlagen werden. Aus den Standard-Reports sind keine klaren Handlungsempfehlungen rauszulesen. Man braucht einen guten Web-Analysten, der die Daten so analysiert, dass es dem Unternehmen nützt.

Analysen wie PageViews und Website Engagement sagen einem nicht wirklich etwas – die Nutzungsmotive können unterschiedlich sein. Wird viel gesurft, weil es interessant ist oder weil man Informationen nicht findet? Es ist nicht nur wichtig nach dem „WHAT“ zu fragen, sondern auch nach dem „WHY“. KPIs (Key Performance Indicators) helfen nicht wirklich weiter, um das Besucherverhalten zu verstehen braucht man KIAs, die Key Insights Analysis. Zu den Key Insights Analysis gehört die (1) Site-Overlay Analyse, die (2) Segmentierung und die (3) Befragung nach dem Besuchsgrund und dem Erreichen des Besuchzieles, (4) Usability-Studien und (5) A/B-Tests. Zudem befindet man sich in einem Ökosystem, d.h. um die eigene Website passiert etwas und mit Web Analytics allein, misst man nur einen Teil. Dazu sind (5) Wettbewerbsanalysen und Google-Trend (6) Analysen wichtig.

Das Drei-Eck-Model (Trinity) von Avinash Kaushik: Durch die Analyse des Besucherverhaltens durch (Site Overlay, Segmentierung, Interne und Externe Suche), der Messen der Erreichung von Geschäftszielen (z.B. Conversions, Anzahl an Kontakten) und dem Verstehen von Kundenverhalten (Kundenbefragung, A/B-Tests, Expertengutachten) kann die Webseite so optimiert werden, dass das sie den Zielen des Unternehmens gerecht wird. Avinash Kaushik nennt diese (1) Clickstream-Data, (2) Outcome-Data und (3) Research-Data. Die Wettbewerbsanalysen (4) Competetive-Data.


Kapitel 2 – Daten sammeln

Eine Website muss ganzheitlich analysiert werden. Dazu gehören Clickstream-Data, Outcome-Data, Research-Data, Competitor-Data und die Analyse von Trends.

  • (1) Clickstream-Data: Clickstreams sind Nutzungsdaten von Besuchern (Unique User), die bei einem Websitebesuch (Visit) veschiedene Einzelseiten (Page views) aufrufen. Das Dauer dieses Verhaltens wird gemessen (Time), sowie woher die Nutzer kommen (Zuvor besuchte Website, Herkunftsland, eingegebene Google-Suchbegriffe). Diese Daten werden in unterschiedlichsten Reports miteinander in Beziehung gesetzt. Was man dabei vergisst: Was bedeutet das eigentlich? Was löst das aus?
  • (2) Outcomes-Data: Ein Unternehmen muss sich im Klaren darüber sein, warum die eigene Website existiert, was einem für die Web Analyse wichtig ist. Das ist für verschiedene Website-Typen (E-Commerce, Lead Generation, Brand, Support) unterschiedlich.
  • (3) Research-Data: Befragungen sind wichtig, damit man die Clickstream-Daten und die Outcome-Daten verstehen kann. Zu den Methoden gehören Umfragen, Expertengutachten, Usability-Tests (Im Labor oder Remote) und Explorative Einzelinterviews. Auch zählt Avinash Kaushik das A/B-Testing zu den Research-Data, den die Website-Designer haben Hypothesen, die sie durch den Test beantworten möchten.
  • (4) Competetive-Data: Die Website ist Teil eines Ökosystems und existiert nicht für sich allein. Daher sind Wettbewerbsanalysen wichtig, um die eigene Website im Kontext zu sehen. Wettbewerbsdaten können über ein Panel (comScore) oder über einen Internet Service Provider (Hitwise) gesammelt werden. Der Nachteil bei den Panel-Ansatz ist, dass die Nutzung am Arbeitsplatz nicht gemessen werden kann. Der Nachteil beim ISP, dass tiefergehende Seiten (https-Bereiche) nicht analysiert werden. Conversions können nur mit dem Panel-Ansatz gemessen werden.
  • (5) Google-Trends: In Google-Trends können Suchbegriffe eingegeben werden und man sieht, wie sich im Laufe der Zeit diese erhöht oder verringert haben.

Kapitel 3 – Überblick über Qualitative Analysen

Lab Usability Test: In einem Usability-Test wird gemessen, wie fähig die User sind, um bestimmte Aufgaben zu lösen. Sie eignen sich, die Nutzer zu verstehen, um das User-Interface-Design und den Workflow zu optimieren. Gemessen wird wie viele die Aufgabe gelöst haben (Effektivität). Wie schnell und einfach das ging (Effizienz). Und wie zufrieden die Nutzer sind (Satisfaction). Usability-Studien eignen sich für komplexe Nutzungsszenarien in der frühen Entwicklungs-Phase von Websitebereichen, weil große Probleme frühzeitig entdeckt werden können. Für bestehende Websites ist es eine gute Methode, um zu erfahren, was gut funktioniert und was nicht – vor allem für diejenigen, die durch Clickstream-Daten ratlos sind. Mit dem Vorhandensein komplexer Analysemethoden, speziell Multivariates Testing, können Designfragen auch mit dem Web Analytics unter realen Bedingung an einer hohen Nutzerzahl durch das Tool beantwortet werden. Avinash Kaushik befürwortet eine Zusammenarbeit von User Centered Design-Experten und Web Analysten beim Usability-Test. Sie sind die ultimative Kombination aus quantitativer und qualitativer Forschung.

Expertengutachten: Expertengutachten oder Heuristische Evaluationen sind eine schnelle und kostengünstige Variante, die Website zu checken. Durch eine vorherige Befragung oder im Gespräch mit den Websiteverantwortlichen, weiß der Gutachter, was Hauptnutzungsszenarien der Website sind. Der Experte schaut sich die Website an, durchläuft die Nutzungsszenarien und berät, wo Usability-Probleme auftauchen könnten. Es werden die offensichtlichsten Probleme aufgedeckt. Man kann es dabei beruhen lasse oder es als erste Arbeit für einen folgenden Usability-Test oder Multivariaten oder A/B-Test nehmen.

Site Visits: In der natürlichen Nutzungsumgebung werden die Nutzer beobachtet. Der Besuch ist Zuhause oder am Arbeitsplatz. Der Unterschied zum Usability-Test ist, dass der Nutzer zeigt, wie er die Website bzw. das Internet in seiner realen Umgebung nutzt.

Onlineumfragen: Umfragen können zu Beginn des Website-Besuches oder mitten drin auf bestimmten Einzelseiten eingesetzt werden, um mehr über die Nutzung und den Eindruck der Besucher zu erfahren.


Kapitel 4 – Wege einer erfolgreichen Web Analytics Strategie

Man sollte eine langfristige Kundenbeziehung im Kopf haben und den Kunden im Zentrum sehen. Nicht jeder, der auf die Website kommt, möchte gleich etwas kaufen. Man möchte sich über Produkte informieren, vergleichen, nach einen Job suchen, stöbern. Es ist wichtig, die Nutzer zu fragen, warum sie auf der Website sind, ob sie ihr Ziel erreicht haben und zufrieden sind und was man für sie tun kann.

Anstelle nach bestimmten Reports nachzufragen (wie ist meine Conversion, Wie viele Besucher haben wir?) sollte man lieber Business-Fragen stellen. Business-Fragen sind offen gestellt und lassen Spielraum und damit mehr Möglichkeiten zur Beantwortung der Fragen. Businessfragen sind z.B.: Wie können wir unseren Umsatz erhöhen? Was sind unsere wertvollsten Partner, die Besucher auf unsere Website bringen? Was sind die größten 5 Probleme, die unsere Besucher auf der Website begegnen? Das wichtige für einen Web Analysten ist, nicht einfach Reports zu liefern, denn diese bringen keine Insights. Die Aufgabe besteht darin, immer wieder Business-Fragen zu stellen und die Freiheit zu haben, Wege aufzuzeigen, um diese zu beantworten bzw. zu Lösen.

Das wichtige beim Web Analytics ist nicht das Tool, sondern der Mensch, der die Daten analysiert. Investiert man z.B. 100.000 $ in Web Analytics, dann sollten 10.000 $ für das Tool sein und 90.000 $ in den Web Analysten investiert werden. 

Das nennt Avinash Kaushik die 10/90-Regel. Avinash Kaushik beschreibt den idealen Web Analysten (Hire Great Web Analyst): Er hat mehr als ein Web Analytics Tool intensiv genutzt,  informiert sich laufend in der Yahoo! web analytics group und in top Blogs, besucht die Webseite vor dem Analysieren und surft zum Kennenlernen drauf rum, hat den „Der Kunde im Zentrum“- Blick, hat ein technisches Verständnis wie Daten durch Web Analytics erfasst werden, kennt sich mit quatitativen (the What?) und qualitativen (the Why?) Analysen aus, ist ein begeisterter Forscher, kann effektiv kommunizieren, hat Köpfchen und kann das Komplexe einfach wiedergeben, zeigt Eigeninitiative und hat ein dickes Fell. In diesem Kapitel gibt Kaushik auch Empfehlungen, wie eine Stellenbeschreibung aussehen könnte.

Wo ist der Web-Analyst im Unternehmen, in der Organisationsstruktur angesiedelt? Zum einen kann er eine zentrale Stellen in der IT oder im Marketing haben. Er kann aber auch eine Stabstelle innehalten.


Kapitel  5 – Web Analytics Grundlagen

Für die Auswahl nach dem optimalen Web Analytics Tool unterscheidet Kaushik nach dem „Old“ und dem „New Way“. 

The Old Way: Zu Beginn werden die geschäftsrelevanten Anforderungen gesammelt (Ziele, KPIs, Reports) und die technischen Anforderungen gesammelt (System Architektur, Server..). Alle Anforderungen werden in eine Anforderungsliste zusammengestellt (RFP = Request of Proposal). Diese Anforderungsliste wird an Web Analytics Tool Anbieter geschickt. Diejenigen, die der Anforderungsliste nicht zu nahezu 100% - entsprechen, werden gleich ausgefiltert. Ein Unternehmenskomitee entscheidet sich dann für eine Lösung. Der Ganze Prozess wird ca. ein halbes Jahr in Anspruch nehmen. 

The New Way: Es wird keine Anforderungsliste an die Web Analytics Tool Anbieter geschickt. Es gibt einen hoch angesiedelten Projektleiter und ein oder zwei im Team, die ein Tool auf Herz- und Nieren prüfen werden. Weitere aus dem Unternehmen werden informiert, dass ein Tool gewählt wurde (nur zur Info, keine Featurerequest). Als Tool wird ein kostenloses Tool (Google Analytics) oder eine Demoversion eines Tools gewählt. Dann wird das Trackingskript eingebaut. Dann beginnt man einfache Reports zu verschicken und holt sich nach ca. einer Woche Feedback ein – es wird Fragen geben, die man bisher nicht beantworten konnte. In dieser Zeit lernt man viele Hürden kennen, die nicht unbedingt mit dem Web Analytics Tool zu tun haben, sondern eher mit dem Aufbau der Website und der Url-Struktur und der Trackbarkeit von Daten.  Liegen die Hürden am Tool, dann kann man jetzt eine intelligente Entscheidung treffen, was man wirklich brauch. Wählt man die drei größten Anbieter (Omniture, Coremetrics, Webtrends), dann hat man das Problem, dass diese recht gleich in Ihren Funktionen sind. Sinnvoller ist es, Tools zu vergleichen, die sich voneinander differenzieren (Coremetrics, Visual Science, IndexTools, Unica, Clicktracks). Im letzten Schritt soll man 30-Tage-Testversion von den Anbietern einem „Proof of Concept“ unterziehen und auch mit dem „Free-Tool“ vergleichen.

Weitere Themen des Kapitels sind die Datenqualität (bis 10% Abweichungen zwischen Tools ist normal), sowie Best Practice zur Implementierung (Tagging von Einzelseiten, Nutzung von 1st Party-Cookies, Auswirkungen von Redirects).

Mit dem Abschnitt „Three Layers of So What“ Test bezeichnet Kaushik eine dreifache „Und? Was Jetzt?“- Fragestelltung, die man einsetzt, um zu entscheiden, welche Metriken einem wirklich weiterhelfen. Kann eine Metrik einem nach 3maligen Nachfragen immer noch keine Antwort auf eine mögliche Handlungsreaktion geben, dann ist die Metrik nicht nützlich.

Des weiteren werden in diesem Kapitel diverse KPIs vorgestellt: Percent of Repeat Visitors, Top Exit Pages on the Website, Conversion Rate for Top Search Keywords.


Kapitel  6 – Tiefer Einstieg in zentrale Web Analytics Konzepte

In diesem Kapitel geht es um die technische Messung und Metriken. Inhalte sind: Urls, Cookies, Visits, Unique Visitors („people“), Time on Site, Page Views, Bounce Rate, Referrer, Top Pages, Top Entry Pages, Top Exit Pages, Top Destinations (Exit Links), Site Overlay (Click Density Analysis).


Kapitel 7 – Mit der Web Daten Analyse beginnen

Nachdem man das Tool seiner Wahl hat, beginnt das Analysieren der Daten. Den Focus sollte man da aber nicht auf alles das, was man reporten kann legen. Wichtiger ist es, Ziele zu definieren und diese „Outcomes“ zu messen. Wer sendet den meisten Traffic auf die Website (Top Refering Urls)? Was sind die Top Suchphrasen, mit denen die Besucher auf die Website einsteigen (Top Key Phrases)? Was sind die wichtigsten Einzelseiten (Site Content Popularity, Site Bouce Rate)? Wie wird die Homepage genutzt (Home Page Visits)? Bei E-Commerce Websites sind die „Outcomes“ die Verkäufe von Waren, die die Produktgruppe, den Umsatz, den Absatz und den durchschnittlichen Verkaufspreis beinhalten. Wie viele der Website-Nutzer (Unique Visior) kaufen auch etwas (Conversion Rate)?. Ein weiteres Ziel, ist die Kundenzufriedenheit, die am besten durch eine Befragung erhoben wird (VOC = Voice of Customer). Neue Metriken braucht man z.B. bei der Messung von Blogs (hohe Bouncerate, da Blogbeitrag eine Seite ist) und für RSS-Feeds (Bekommt man mit, was gelesen wird?).


Kapitel 8 – Search Analytics – Interne Suche, SEO, PPC

Die interne Suche beinhalte die Suchfunktion innerhalb der eigenen Website. Man sollte die Top 25 Keywords der internen Suche im Auge behalten, diese sagen viel über die Besuchermotive aus. SEO bedeutet Search Engine Optimation und beinhaltet die natürlichen Suchergebnisse von Google und anderen Suchmaschinen. PPC bedeutet Pay Per Click und beinhaltet die bezahlte Suche von Google und anderen Suchmaschinen. Als Reaktion auf eine Sucheingabe erscheint eine Werbeanzeige, wird diese geklickt, dann wird dafür bezahlt.


Kapitel 9 – E-Mail und Multichannel Marketing messen

Mit E-Mails möchte man neue Kunden gewinnen oder bestehende halten. Der Erfolg dieser Maßnahmen kann technisch gemessen werden (Wie viele haben die Email erhalten? Aufgerufen? Auf den Link geklickt?). Unter Multichannel Marketing, den „Non-Line Marketing“ ist das Zusammenwirken von Offline- und Online Verhalten (Informieren / Kaufen) von Kunden gemeint. Diese hängen zusammen und beeinflussen einander.


Kapitel 10 – Website Experimentieren & Testen

In diesem Kapitel werden A/B-Tests und der Nutzen beschrieben. Sind es bisher immer die Hippos (Highest Paid Person) im Unternehmen gewesen, die aus dem Bauch heraus entschieden haben, wie die Website gestaltet werden sollte, so gibt es nun die A/B-Tests. Entscheiden tun die Besucher der Website. Im Livebetrieb werden 2 Varianten unterschiedlichen Besuchergruppen gezeigt. Die Art des Weiterklickens (Tiefer in die Website einsteigen) entscheidet dann für den Erfolg der einzelnen Varianten. Hat man mehr als 2 Varianten, dann nutzt man Multivariates Testing. Bild- und Textbausteine werden dynamisch in diversen Kombinationen im Livebetrieb ausgetauscht. Die Testverfahren nutzen Statistik (Signifikanztests), d.h. sie geben automatisch an, wenn eine Variante besser signifikant ist (signifikant = jenseits vom Zufall).


Kapitel 11 – Web Analytics „entscheidungsrelevant“ machen

Daten müssen zu Informationen verdichtet werden und diese Informationen in Entscheidungen. Wenn das nicht so ist, dann nützt Web Analytics auch nichts. Damit Zahlen entscheidungsrelevant sind, muss man ihnen einen Kontext geben. Eine Zahl allein, hilft nicht. Kontext kann durch eine Segmentierung, durch einen Zeitverlauf oder durch Benchmarks gegeben werden. Zu jeden dieser Varianten steht die einzelne Zahl dann in Bezug zu einer anderen und ist interpretierbar, d.h. man kann sagen, ob die Zahl gestiegen oder gesunken ist und ob das gut oder schlecht ist. 

Um Zielgerichtet vorzugeben, müssen auch Ziele definiert werden. Entscheidungsträger haben wenig Zeit. Ihnen muss man die Informationen, die zur Entscheidung verhelfen, leicht verdaulich anbieten. Die tut man mit Executive Dashboards. Kaushik empfielt das Dashboard auf eine DIN A4 Seite zu reduzieren. Zum Dashboard gehören auch Verantwortlichkeiten, d.h. man muss wissen, wer handeln muss, wenn eine Zahl / Metrik / KPI besonders schlecht aussieht. Um aus Informationen Handlungen zu machen, bedient man sich der DMAIC-Methode (define, measure, analyze, improve, control).

 Bedeutet: Ein Ziel definieren und durch Metriken messbar machen. Dann schauen, ob es gut oder schlecht performt. Bei schlechter Performace, dieses optimieren und im Anschluß den Erfolg kontrollieren.


Kapitel 12 – Wettbeweber (Competetive Intelligence) und Web 2.0 Analytics

Kaushik zeigt auf, wie man Informationen darüber bekommt, wie man im Vergleich zum Wettbewerb steht. Es werden drei Datenquellen unterschieden: Panel-based measurement, ISP-based measurement und search engina data. Anbieter sind Hitwise, Comscore, Google Trends, Alexa, Microsoft Ad Center. Unter Web 2.0 Analytics versteht Kaushik die Analyse von Rich Internet Applications, die mit einfachen Web Analytics Methoden (Seitenaufrufe) nicht mehr gemessen werden können. Auch RSS-Feeds zählen zum Web 2.0 Analytics.


Kapitel 13 – Die Mythen des Web Analytics verschwinden lassen

Analysen von Navigationspfaden bringen nichts, auf der Website gibt es unendlich viele Kombinationen der Nutzung. Hilfreich sind Navigationspfade aber bei linearen Pfaden (z.B. Bestellprozess, der im Trichter/Funnel abgebildet werden kann). Auf der Conversion-Rate liegt ein zu hoher Focus. Ca. 2% der Besucher konvertieren, 98% bleiben unbeachtet. Diese müssen aber analysiert werden, um die Websitenutzung und die Bedürfnisse der Besucher (Besuchsgründe) zu verstehen. 

Eine Alternative ist die Task-Completion-Rate, d.h. Besucher geben an, ob sie ihr Besuchsziel erreicht haben. Perfection is dead: Web Analytics Daten sind nie 100%ig korrekt, weil sie nicht 100%ig gemessen werden können. Wichtig ist nur, dass sie gut genug sind, eine Entscheidung zu fällen und das geht auch bei 80-90%iger Genauigkeit. 

Real-Time Daten sind teuer und nicht wirklich relevant, da der Mensch ja auch nicht Real-Time Entscheidungen fällt. Real-Time kann relevant sein, wenn ein intelligentes System dahinter automatisch Entscheidungen real-time fällt (z.B. im Moment des Besuches Nutzung analysieren und gezielt Content zuspielen).


Kapitel 14 – Fortgeschrittene Web Analytics Konzepte

Im vorletzten Kapitel gibt Kaushik Tips für fortgeschrittene Web Analysen. Vorgestellt wird ein Online-Statistik-Rechner, mit dem man Signifikanztests machen kann (Ist die Conversion jetzt signifikant besser als vorher?). 

Segmentierung ist wichtig: Man sollte die Besucherquellen mit der Bouncerate kombinieren, um festzustellen, welche Quelle zu dem meisten Abbrüchen führt. Für die Messung der Conversion Rate gibt es Best Practice Empfehlungen: Man sollte die Total-Conversion-Rate vergessen. Wichtiger ist es, sich Trends über den Zeitverlauf anzusehen. Zudem verstehen, wie die Besucher auf die Website gekommen sind und welche Traffic-Quellen die höchsten Conversion Rates erzielen. Neben der Conversionrate sollte auch der Umsatz stehen. Denn es kann Quellen geben, die eine niedrige Conversionrate haben, aber trotzdem einen sehr hohen Umsatz bringen. 

Weitere Tips für eine fortgeschrittete Web Analyse werden in diesem Kapitel gegeben: Testen & Experimientieren, Abbruchraten messen und Bruchstellen identifizieren, Tage und Besuche bis zum Kauf messen. Der letzte Punkt noch sehr interessant „Measure the Real Size of Your Convertible Opportunity Pie“ – sagt aus, dass man von allem Besuchern der Website nur diejenigen in Anbetracht ziehen soll, die kaufwillig sind – das ist das wahre Potential der konvertierbaren Besucher.


Kapitel 15 – Eine datengetriebene Unternehmenskultur schaffen

Das Kapitel legt den Focus auf drei Dinge: Einen großartigen Web Analytics Manager finden + Expertise von Außen bekommen + 7 Schritte folgen, um eine datengetriebene Unternehmenskultur aufzubauen. Der großartige Web Analyst hat eine tiefe Leidenschaft für Web Analytics, mag Veränderungen. Und weiß auf die Stimme der Website Besucher zu hören und dieses in Handlungen zu übersetzen (User Centered Design). Er muß kein Statistik Freak sein. Wichtiger ist es, dass er betriebswirtschaftlich denken kann – er muß fähig sein, andere von seinen Ideen zu überzeugen. In Abhängigkeit vom der Web-Analytics-Reife werden externe Unternehmen ins Boot geholt.

Kaushik unterscheidet 4 Stufen (Stage 1: Birth, Stage 2: Toddler to Early Teens, Stage 3: The Wild Youth, Stage 4: Maturity – You are 30+). Je weniger Erfahrung, desto mehr externe Beratung. Stufe 1: Man muß das Tool finden und implementieren. Stufe 2: Es werden Dashboards und Reportigs erstellt, so wie verschiedene Anspruchsgruppen des Unternehmens das brauchen. Stufe 3: Der Einstieg ins Experimemtieren & Testen + Qualitative Analysen hinzuziehen (Usability Tests, Umfragen) und eine Strategy entwickelt, alle Daten sinnvoll miteinander zu kombinieren. Stage 4: Wege finden, Daten auf unterschiedliche Weise zu tracken (Rich Media Applications, Videos). Zum Schluß stellt Kaushik noch ein 7-Schritte-Programm zusammen. Man sollte damit beginnen, Ziele zu messen (Umsatz, Anzahl an Leads, Anzahl neue Kunden. Sich daran erinnern, dass „Reporting“ nicht „Analysis“ bedeutet.

 Der Entscheidungsprozess sollte depersonalisiert sein, d.h. Entscheidungen auf Basis von Testergebnissen (A/B-Tests) fällen. Man sollte proaktiv sein. Man soll seinen Web Analysten genug Freiraum für Analysen geben, nicht nur Reports. Verknüpfe Erfahrungen der Besucher mit dem Verhalten der Besucher und dem Erreichen von Unternehmenszielen.